Niki - nicht alles ist Gold was glänzt

23.07.2008

vor allem nicht die Entscheidungen des ÖOC

Statt der "Krönung" gedemütigt

Eine Teilnahme bei Olympischen Spielen hätte für Ringerdame Nikola Hartmann der Lohn für 15 Jahre knochenhartes Training werden sollen. Stattdessen musste die fünffache Welt- und Europameisterin die größte Demütigung ihrer Karriere erleben.
Statt der VMH
Zuerst wurde die 33-Jährige nach einer fragwürdigen Entscheidung bei den Weltmeisterschaften 2007 in Baku benachteiligt. Hartmann besiegte im Viertelfinale ihre Gegnerin aus Aserbaidschan im direkten Duell, wurde aber hinter ihre Kontrahentin auf Rang neun gereiht. Für die direkte Peking-Qualifikation wäre Platz acht notwendig gewesen.

Die ­Pechsträhne setzte sich bei der letzten Qualifika­tion in Edmonton fort, wo Hartmann im Halbfinale verlor – für das Peking-Ticket wäre der Finaleinzug notwendig gewesen. Der Weltverband sah das, korrigierte den Fehler von der WM, vergab im Juni eine der sieben Wildcards an die Götznerin. Hartmann: „Es war aber deprimierend, wie das Österreichische Olympische Komitee darauf reagiert hat. Ohne sich überhaupt mit dem Fall zu befassen, wurde mein Quotenplatz in einem formlosen E-Mail ohne Kommentar abgelehnt. Ich persönlich bin gar nicht gefragt worden.“

Es lohnt sich nicht

Selbst die Interventionen vom Welt- und nationalen Fachverband brachten nichts. „Ich habe seit 1993 mit einer Ausnahme jedes Jahr eine Medaille bei WM oder EM geholt. Doch es lohnt sich offenbar nicht, sich für Randsportarten einzusetzen. Niemand kann die Leistungen einschätzen, man traut den Athleten nichts zu. In meiner ersten Enttäuschung habe ich sogar überlegt, in Zukunft für ein anderes Land zu starten“, ärgerte sich die AHS-Professorin.

„Wenn ein neunter Platz bei WM und EM und ein Viertel- und Halbfinale bei mit dem ÖOC vereinbarten Qualifikationswettkämpfen keine Per­spektive sind, verstehe ich die Welt nicht mehr. Anscheinend hört für einige Menschen Österreich am Arlberg auf – und was dahinter passiert, ist nicht von großem Interesse. Anders kann ich mir diese willkürlichen und persönlich verletzenden Einstufungen von Leistungen nicht vorstellen“, meinte Hartmann. „In Ländern wie Frankreich, der Schweiz oder Schweden wäre ich ohne große Probleme nominiert worden.“

Bei der WM beweisen

Die Peking-Absage ist für Hartmann doppelt bitter. In ihrer Funktion als Athletenvertreterin im Ringerweltverband hatte die Götznerin maßgeblichen Anteil, dass die Frauen nach einem langen Kampf vor vier Jahren in Athen erstmals ins olympische Programm aufgenommen wurden. Die 33-Jährige will nun bei den Weltmeisterschaften im Oktober in Tokio den Beweis antreten, wozu sie sportlich fähig ist. Ob sie danach ihre Karriere beendet oder bis zu den Sommerspielen 2012 in London weitermacht, konnte Hartmann nicht beantworten.